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Montag, 18. September 2000



Einstürzende Neubauten im Mousonturm

Für 30,- 2 1/2 h Musik, ohne daß mir die Ohren fiepten, war das Konzert von den Rahmenbedingungen sehr angenehm. Es war laut, dennoch klang der Sound präzise und klar, sehr druckvoll, man konnte alles, was man sah, auch hörtechnisch einordnen und der Gesang war sehr gut zu verstehen, was ja bei den zumeist deutschen Texten Grundlage für die EN ist.
Leise begann das Konzert - mit dem Titellied der aktuellen CD "Silence is sexy". Blixa Bargeld, der Sänger, machte sich vor dem Mikro eine Zigarette an, und man konnte, da alle ganz still wurden, das Knacken des Feuerzeuges sowie das Ausblasen des Rauches hören. Mit dieser Aktion hatten die EN ihr Publikum ganz schnell im Griff, was im übrigen zahlreich zur Stelle war -es müßte ausverkauft gewesen sein. Ein Lied später tobte bereits der Saal. "Die Interimsliebenden" von der '93er Tabula Rasa-CD groovte dermaßen, daß mir, um es beschreiben zu können, nur der Begriff Techno-Punk einfiel. Die Band spielte vornehmlich die aktuellen Stücke der letzten CDs. Mir gefielen besonders die neusten. Sie sind oft mit einer klaren einfachen Melodie ausgelegt. Dazu gibt es einen enorm druckvoll gespielten Rhythmus; und Blixa Bargelds kehlige Stimme, die einen Mittelweg zwischen Singen und Sprechen wählt, erläutert uns die Welt. Die Texte haben einen lyrischen Anspruch, was heißt, sie können auch für sich ohne Musik stehen. Die Inhalte sind die Liebe wie in "Sonnenbarke", die Biotechnologie wie in "Redukt", die Stimmung der Berliner Republik wie in "Die Befindlichkeit des Landes", oder über Autos als Maschinen wie in "NNNAAAMMM".
Im Ausbalancieren der Dynamik und im verbalen Drehen schwieriger Themen liegen die Wesenzuge der EN. Dazu kommt ein souveränes Umgehen mit ihren Instrumenten und Geräten (Bleche, Tonnen, Schleifer usw.). Die Spannungsbögen werden herausgekitzelt und ausgehalten.
Ich war -und ich glaube auch die 800 bis 1000 Fans- sehr angetan bis begeistert.


IM Vowi